Nur wenn kostengünstige und weitgehend risikolose Maßnahmen Corona-Infektionen nicht ausreichend reduzieren können, sollte schrittweise mit Massenimpfungen begonnen werden.

 

ENTWURF vom 08. Dezember 2020
mit der Bitte um Vorschläge zur Verbesserung

Prof. Dr. Lorenz J. JARASS
Dipl. Kaufmann (Universität Regensburg), M.S. (School of Engineering, Stanford University, USA)
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Die Bundesregierung forciert Massenimpfungen gegen Corona, um endlich Lockdowns vermeiden zu können. Dabei sollen vor allem neu entwickelte RNA-Impfstoffe verwendet werden. RNA-Impfstoffe seien laut Darstellung der Entwickler sehr wirksam und zudem ohne nennenswerte Nebenwirkungen. Anträge auf Notfallzulassung wurden bereits in den USA gestellt, bei der Europäischen Arzneimittelagentur wird eine beschleunigte Zulassung vorangetrieben, in Großbritannien wurde bereits die erste Notfallzulassung erteilt. Noch in diesem Jahr könnten 50 Millionen Impfdosen produziert werden, bis zu 1,3 Milliarden im kommenden Jahr, wie ein Hersteller erläutert.

"RNA-Impfstoffe enthalten die Erbinformation in Form von Boten-RNA … . Diese Erbinformation wird von Körperzellen als Bauplan genutzt, um das spezifische Antigen … selbst zu produzieren" (so das für Impfstoffe zuständige Paul-Ehrlich-Institut der Bundesregierung). Es erfolgt also bei jedem Geimpften ein Eingriff in menschliche Zellen, und das nicht nur schrittweise bei einigen Versuchspersonen oder schwer Erkrankten, sondern sofort bei vielen Millionen. Welche Auswirkungen kann dieser Eingriff haben? Wird z.B. das Risiko von Krebserkrankungen erhöht oder die Erbinformation für die nächste Generation beeinflusst?

Die Hersteller beruhigen: RNA-Impfstoffe seien unschädlich. Die Boten-RNA gehen zwar in die Zelle, aber nicht in den Zellkern und können nach bisherigem Kenntnisstand nicht in eine schwere Krankheit münden. Eine Veränderung des Erbguts sei laut Bundesministerium für Bildung und Forschung ausgeschlossen, da es sich bei mRNA um ein Botenmolekül handele, das nicht in die DNA einer Zelle eingebaut werden kann. Bei Corona-Impfstoffen ohne direkten Eingriff in die Körperzellen kann man vielleicht auf analoge Erfahrungen mit ähnlichen Impfstoffen gegen andere Krankheiten zurückgreifen, aber welche Risiken die neuen RNA-Impfstoffe haben, kann wohl abschließend erst nach Langzeitstudien beurteilt werden.


Lehren aus dem Fall Contergan
Da hilft ein Blick zurück: Contergan wurde 1957 als rezeptfreies Beruhigungsmittel auf den Markt gebracht, im Frühjahr 1959 wurde in einem Bundestagsbericht die Angst vor Missbildungen als übertrieben abgetan, so Prof. Thoman in Die Contergan-Katastrophe. Erst als der Hamburger Kinderarzt Dr. Lenz aus eigener Initiative durch Befragung von 20 Contergan-Müttern einen Zusammenhang zwischen Contergan und den Missbildungen herstellte und DIE WELT darüber berichtete, wurde 1961 der Vertrieb von Contergan eingestellt. Die jährlichen Folgekosten von weit über 100 Mio. € trägt der Steuerzahler, das persönliche Elend tragen die Contergankinder und ihre Familien.

Man mag einwenden, der Vergleich zu Contergan ohne Beleg für eine wirkliche Gefahr schüre doch Ängste in einer verunsicherten Bevölkerung? Aber auch bei Contergan gab es zum Zeitpunkt seiner Zulassung keine Belege für schwere Risiken, und deshalb hat man massenhaft den Einsatz erlaubt. Das Vorgehen muss anders sein, das hat man durch Contergan gelernt. Ein Medikament setzt man ohne Langzeiterfahrung nur für schwere Fälle ein, z.B. bei einem Krebskranken, der ohne das Medikament sterben würde oder für Ältere mit Vorerkrankungen, deren Gesundheit und Leben durch Corona erheblich gefährdet ist. Ältere pflanzen sich nicht mehr fort, langfristig negative Folgen einer Corona-Impfung erleben sie häufig nicht mehr. Ihre Risiken sind also deutlich kleiner, der Nutzen ist hingegen deutlich größer als bei Jüngeren.

Es bleibt jedem Einzelnen unbenommen, sich nach persönlicher Nutzen-Risiko-Analyse für eine Corona-Impfung zu entscheiden. So wird eine 60-jährige Asthmatikerin, die ihre alleinstehende 82-jährige Mutter in New York baldmöglichst besuchen will, den Nutzen einer Impfung höher einschätzen als das Risiko. Aber es stellt sich die Frage, ob die Regierung angesichts der völlig ungeklärten Langzeitrisiken für die gesamte Gesellschaft eine Corona-Impfung für möglichst vielen Personen forcieren soll.


Auch Impfstrategien müssen öffentlich diskutiert werden
Es droht der Einwand: Wer die laut Regierung dringend erforderlichen Massenimpfungen hinterfragt, gefährdet deren Erfolg. Doch unsere freie Gesellschaft profitiert von einer öffentlichen Diskussion, die alle Aspekte kritisch beleuchtet. An dieser Diskussion dürfen und müssen sich auch Personen und insbesondere Wissenschaftler aus anderen Disziplinen beteiligen, weil die ´Fachleute´ im Regelfall der Meinung sind, dass das von ihnen entwickelte und hergestellte Medikament nach intensiven Tests keine nennenswerte Nebenwirkungen hat. Durch Nutzung des Wissens von vielen (´Schwarmintelligenz´) werden Fehlentwicklungen verhindert und eine starke Innovationskraft begünstigt, die Grundlage für eine positive Entwicklung unseres Landes ist. Leider wird der Austausch von Argumenten auch in unserer freien Gesellschaft in wachsendem Umfang eingeschränkt. So löscht YouTube seit kurzem auf staatlichen Druck hin alle "Behauptungen über Schutzimpfungen gegen COVID-19, die der übereinstimmenden Expertenmeinung lokaler Gesundheitsbehörden oder der Weltgesundheitsorganisation (WHO) widersprechen".

Die laufenden Lockdowns zur Reduzierung der Infektionen dienen insbesondere der Sicherstellung einer ausreichenden ärztlichen Versorgung, ruinieren aber die Staatshaushalte, die Lebensqualität vieler Menschen und mit wachsender Dauer immer mehr Unternehmen. Für viele ist eine schnelle Corona-Impfung eine Lösung, die endlich wieder Normalität erlaubt, aber die derzeit nicht abschätzbaren Risiken von forcierten Corona-Massenimpfungen bleiben unberücksichtigt.


Einige Optionen noch ungenutzt
Selbst wenn man die im nächsten Jahr anstehenden Massenimpfungen für akzeptabel hält, können dadurch drohende Überlastungen des Gesundheitssystem frühestens in einigen Monaten verringert werden. Deshalb sollte man nun unverzüglich risikolose, bisher noch nicht genutzte Maßnahmen ausprobieren, z.B.:

Allgemeine Maskenpflicht in der Öffentlichkeit und auch zu Hause, falls haushaltsfremde Personen in der Wohnung sind. Das ist eine ganz einfache Regel, die alle Personen schützt und von jedermann leicht kontrolliert werden kann. Zudem führt dies zur Entwicklung von bequemen und gleichzeitig hochwirksamen Masken.

Besonderer Schutz für Senioren: Dort waren in der nun laufenden zweiten Welle bisher nur zehn Prozent der Infizierten älter als 65 Jahre. Wie wurde das erreicht? Reservierte Einkaufszeiten für Senioren von 09:00 bis 11:00, Rufbus und Taxi für Senioren zum Buspreis, regelmäßige und kostenfrei Testungen für Bewohner, Mitarbeiter und Besucher von Altenheimen, kostenlose Abgabe von FFP2-Masken für Altenheime und Senioren. Kosten 0,5 Mio. €, die allerdings die Stadt Tübingen zahlen muss.

Außer-Haus-Quarantäne statt häusliche Quarantäne: Die derzeitige häusliche Quarantäne mag bei Kontaktpersonen von Infizierten angemessen sein, aber Infizierte müssen – nach ärztlicher Einzelfallentscheidung – isoliert werden, wie erfolgreiche asiatische Staaten zeigen. Ein Tuberkulose-Infizierter wird doch auch nicht zur Quarantäne nach Hause geschickt. Eine Isolation würde auch zu erhöhter Vorsicht führen, weil niemand gerne über Tage isoliert werden möchte.

Jedenfalls sollte aber allen Infizierten die Möglichkeit einer freiwilligen Außer-Haus-Quarantäne gegeben werden, wie die folgenden Beispiele belegen: In den Familien eines Kollegen haben sich mehr als die Hälfte angesteckt, weil sie wegen der beengten Wohnungsverhältnisse keine Möglichkeit einer echten häuslichen Quarantäne hatten. Ein Mann, der seit mehreren Jahren seine schwerkranke Frau pflegt, wurde von einer Pflegekraft infiziert und hat keine Möglichkeit, außer Haus in Quarantäne zu gehen.

Da heißt es gleich: geht nicht, zu teuer! Bei 10.000 Neuinfizierten pro Tag und 10 Tage in einer Außer-Haus-Quarantäne benötigt Deutschland insgesamt 100.000 Quarantäneplätze, bei 100 € pro Tag sind das für 1 Monat 300 Mio. €. Das könnte aus der Portokasse der Coronaentschädigungen gezahlt werden. Wiesbaden hatte Ende Oktober 2020, also vor dem erneuten Teil-Lockdown, mit täglich rund 100 laborgetestet Neuinfizierten den höchsten Tagesanstieg seit dem Corona-Ausbruch. Wiesbaden bräuchte bei täglich 100 Neuinfizierten und 10 Tage Außer-Haus-Quarantäne 1.000 Plätze, da nach 10 Tagen die ersten Plätze für die Nachrücker frei würden. Eine derartige Außer-Haus-Quarantäne ist für Wiesbaden bei mindestens 3.600 Hotelzimmern gut machbar. Aber die Kosten müsste die Stadt Wiesbaden tragen, die Entschädigungszahlungen für die leerstehenden Hotels trägt hingegen der Bund.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael MÜLLER hat Ende November 2020 den Vorschlag gemacht, Berliner Hotelbetten für eine Außer-Haus-Quarantäne zu nutzen um einer Überlastung von Berliner Intensivbetten vorzubeugen. Dieser Vorschlag sollte nun möglichst umgehend bundesweit umgesetzt werden, um weitere Lockdowns zu verringern oder vielleicht ganz vermeiden zu können.

Fazit: Nur wenn kostengünstige und weitgehend risikolose Maßnahmen Corona-Infektionen nicht ausreichend reduzieren können, sollte schrittweise mit Massenimpfungen begonnen werden.

 

PS: Vielen Dank für viele kritische Kommentare zu früheren Entwürfen, die alle in diesem komplett überarbeiteten Entwurf berücksichtigt wurden. Vielleicht fällt auch Ihnen etwas auf, was Sie für nicht sinnvoll halten und mir per Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! zukommen lassen.


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