Sehr geehrter Herr Dr. Jarass,

grundsätzlich finde ich Ihren Ansatz gut. "Sprachschützer" beklagen, dass
immer weniger Ausländer Deutsch lernen, wehren sich aber dagegen, Deutsch zu
vereinfachen. Das ist inkonsequent. Allerdings liegt die größte
Schwierigkeit m.E. nicht in der Rechtschreibung, sondern der verqueren
Grammatik, siehe http://denglisch4ever.de/nachtd.html .

Detailkritik:

3) Doppelfokal entfällt ersatzlos
=> Weiches V wie in Vokal, Vase sollte durch W ersetzt werden.

(5.3) dt => t: verwandt => verwant, stadt => statt (regel 4).
=> nach Ihrer eigenen Regel 4: verwannt (kurzer, betonter Vokal).
=> statt: Verwechslungsgefahr, auch aufgr. der Kleinschreibung, mit statt
i.S.v. anstelle.

(5.6) ß => s: straße => strase, daß =>dass (regel 4).
Sollte nicht zwischen scharfem und weichem S unterschieden werden?
Dass (Konjunktion) haben wir schon.

(5.7) tz => z: letztlich => leztlich, Witz => wiz, Glatze => glazze (regel
4).
Konsequenterweise: wizz.

Jedenfalls bereitet das Lesen Ihrer Schreibweise keine Probleme; das
Schreiben ist natürlich gewöhnungsbedürftig, weshalb ich es vorerst
unterlasse.

Mit freundlichen Grüßen
Michael Allers
http://denglisch4ever.de

Forschläge zur sistematischen ferainfachung
Wiesbadener Kurier, Viola Bolduan

Eigentlich schreibt er ja zu Steuer- und Energiepolitik. Übers Erstere
kritisch als Wirtschaftswissenschafter, positiv als Grüner zum Ausstieg aus
der Atompolitik. So kennt man den Wiesbadener Hochschullehrer an der
Hochschule RheinMain, Professor Lorenz Jarass. Seine Bucher und Aufsatze
schrieb er bislang in astreiner deutscher Rechtschreibung. Das hat sich seit
Monatsanfang, nach Dudens 100. Todestag, gründlich geändert. Er selbst tritt
jetzt nämlich in Dudens Fußstapfen. Per E-Mail-Verschickung und für alle auf
seiner Homepage (www.jarass.com). Hier liest man (und zwar auch in der
englischen Übersetzung auf Deutsch) seine "Forschläge zur sistematischen
ferainfachung der rechtschraibung". Ausgehend von der Dozenten-Erfahrung,
dass vielen Studierenden mit oder ohne Migrationshintergrund "das erlernen
der doitschen schriftsprache wegen der komplizirthait der schraibregeln"
schwerfalle, und ausgehend auch von der Stätte seines Büros an der
Wiesbadener "dudenstrase", formuliert Jarass, also eigene Reformvorschläge,
"die wizig klin-gen, aber ernst gemaint sind".

Bei der Grundregel hält er sich dabei an Duden, Konrad höchstselbst: "Alles
wird so geschriben wi es im hochdoitschen ausgesprochen wird". So gesehen
wird das Schriftbild den Studierenden ohne deutsche Sprachkenntnis
vielleicht leichter fallen - dem konventionsgewohnten   deutsehen Blick
freilich erscheint`s kurios. Denn der Professor lässt alle Zeichen  zur
Dehnung  und Dopplung fallen, verzichtet orthografisch auf c, ß und kennt
kein y (nur der Freistaat Bayern darf`s behalten), tauscht Diphthonge aus -
auch wenn sie solche bleiben (ei wird ai und eu oi) - "schraibt zusammen
gesezte worte" immer auseinander und - ausgenommen "Aigennamen - sowieso
alles "klain". Dafür besten Dank.

Seine neuen Regeln müssten natürlich auch wieder eingeimpft werden, weiß der
Professor - im Gegenzug aber rechnet er mit einer "ainsparung" von "3-4
jaren deutsch untericht für rechtschraibung". Stattdessen: Deutsch lernen.
Womit Lorenz Jarass Wortschatz, Grammatik, Semantik und eine Phonetik meint,
die so einfach eben auch nicht ist. "Fonetik", von mir aus - aber gleich
jedes, auch noch so stimmhaft ausgesprochene v ein f?

Liber prof, spätestens bei Fiola hört die
simpati für ihre ferainfachungslere ainfach auf.

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