„Wir schmeißen den Ökostrom einfach weg“

Florida ist durch einen massiven Stromausfall stundenlang blockiert worden – ein Szenario, das RWE-Chef Jürgen Großmann auch für Deutschland zeichnet. "Im Sommer drohen tagelange Stromausfälle" sagte der Chef des Energieriesen der "Bild"-Zeitung. In ganz Europa werde der Strom knapp, weil Kraftwerke fehlen.

Das sehen Betreiber von Windkrafträdern allerdings völlig anders. Es klingt paradox: Deutschland habe sogar zuviel Strom. Soviel Strom, dass die Netze den Ökostrom zum Teil nicht mehr aufnehmen können. Genau deshalb drohen Deutschland Stromausfälle und Kosten in Milliardenhöhe.

Ökostrom werde von den großen Betreibern vernachlässigt, sagte Hermann Albers, Präsident des Bundesverbandes Windenergie e.V. dem ZDF. "Wir schmeißen den Ökostrom einfach weg", sagt er. Es habe bei den Netzbetreibern "keine geordnete Planung" gegeben. Seit zehn Jahren sei bereits klar, wie viel Strom in die Netze gespeist werden müsse. Nur getan werde zu wenig. Albers vermutet, die großen Netzbetreiber Vattenfall, Eon, RWE und EnBW haben wenig Interesse am Ausbau zeigten, um die Ökokonkurrenz nicht zu unterstützen.

Damit liegt er gar nicht so falsch, betrachtet man die Aussagen von RWE-Chef Großmann. Der fordert nämlich, neue Kraftwerke zu bauen. "Dazu müssen Politik und auch die Bürger ihren Widerstand gegen den Neubau von Kraftwerken aufgeben – sonst drohen Engpässe und Blackouts." Vom Ökostrom distanziert er sich. "Wir brauchen deshalb eine vernünftige Wirtschaftspolitik mit Augenmaß und keine einseitige Ausrichtung auf ökologische Ziele. Wir müssen weiter auf einen Energiemix setzen, der Braunkohle und Kernenergie mit einschließt."

Ökostrom könnte uneingeschränkt fließen


Strom aus Windkraft verfällt, falls er nicht direkt in die Netze eingespeist werden kann. Speichern können die Windräder ihre Energie nämlich nicht. Treffen die Stromkonzerne also die Ansage, die Netze seien voll, müssen die Windräder abgeschaltet werden. Bei den Betreibern von Windparks entstehen so riesige Verluste. Allein im Januar seien die Netze für zwei Wochen dicht gewesen – für die Betreiber der sieben Windparks Ellhöft entstand beispielsweise ein Schaden von rund 300.000 Euro.

Durch die vermehrte Nutzung von Ökostrom verlieren die großen Stromkonzerne Gewinne, so Professor Lorenz Jarass von der Fachhochschule Wiesbaden. Schon jetzt könnte der Ökostrom im Netz uneingeschränkt fließen, nur dürften die Netzbetreiber dann weniger Strom aus ihren herkömmlichen Kraftwerken einspeisen, sagte er dem ZDF. Die Kraftwerke werden dadurch weniger stark ausgelastet und die großen Konzerne verlieren Profit.
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