Zusätzliche Maßnahmen sind erforderlich

Grundlegender Umbau der deutschen Energieversorgung

Die deutsche Bundesregierung hat einen grundlegenden Umbau der deutschen Energieversorgung beschlossen:

  • Reduzierung der Treibhausgasemissionen von 1990 bis 2020 um 40%, bis 2030 um 55%, bis 2040 um 70% und bis 2050 um 80% bis 95%.
  • Senkung des Primärenergieverbrauchs von 2008 bis 2020 um 20% und bis 2050 um 50%, indem durch sorgsamen Umgang mit Energie die Energieeffizienz deutlich erhöht wird.
  • Reduzierung des Stromverbrauchs von 2008 bis 2020 um 10% und bis 2050 um 25%.
  • Deckung des Stromverbrauchs ab 2050 mit mindestens 80% erneuerbarem Strom.
  • Ausstieg aus der Nutzung der Kernenergie bis 2023.

CO2-Reduktionsziele bis 2050

Abb. 1 zeigt die strombedingten CO2-Emissionen von 1990 bis 2014 und die Reduktionsziele bis 2050:

  • Von 1990 bis 2014 konnten die strombedingten CO2-Emissionen von 357 Mio. t auf 287 Mio. t, also um rund 70 Mio. t reduziert werden.
  • Bis 2020 sollen die CO2-Emissionen um weitere gut 70 Mio. t auf 214 Mio. t reduziert werden.
  • In den folgenden beiden Jahrzehnten sollen die CO2-Emissionen jeweils um weitere gut 50 Mio. t auf 107 Mio. t reduziert werden, bis 2050 sogar auf unter 71 Mio. t, und damit weniger als 20% der CO2-Emissionen in 1990, die damals 357 Mio. t betrugen.

Abb. 1 : Strombedingte CO2-Emissionen bis 2014 und Reduktionsziele bis 2050


Strombedingte CO2-Emissionen bis 2014 und Reduktionsziele bis 2050
Quellen: Netzentwicklungsplan Strom 2025, Abb. 5; Umweltbundesamt, Climate Change 09/2015.

Die in Abb. 1 gezeigten CO2-Reduktionsziele der Bundesregierung werden ohne CO2-Begrenzung bei Weitem nicht eingehalten. Deshalb hat die Bundesnetzagentur für den Netzentwicklungsplan 2025 für die beiden Zieljahre 2025 und 2035 ein Alternativszenario vorgegeben, in dem die CO2-Reduktionsziele der Bundesregierung eingehalten werden. Die deutschen Steinkohlekraftwerke werden dabei durch zusätzliche, rein innerdeutsche CO2-Abgaben in ihrer Wettbewerbsfähigkeit eingeschränkt, weshalb sie immer häufiger ihre Produktion reduzieren. Letztlich wird mit CO2-Begrenzung deutlich weniger Kohlestrom exportiert und zu Zeiten geringer erneuerbarer Stromproduktion werden Stromdefizite durch Importstrom (wohl überwiegend Kohlestrom) ausgeglichen.

Abb. 2 zeigt die durch die Stromproduktion resultierende CO2-Belastung ohne und mit CO2-Begrenzung für den Zeitraum 2010 bis 2035.

Abb. 2 :  CO2-Emissionen durch Stromproduktion, 2010 bis 2035


Strombedingte CO2-Emissionen bis 2014 und Reduktionsziele bis 2050
Quelle: Netzentwicklungsplan Strom 2025, Abb. 29.

Die CO2-Reduktionsziele der Bundesregierung werden durch eine CO2-Begrenzung zwar formal eingehalten, aber letztlich nur, indem die deutsche Kohlestromproduktion überwiegend durch ausländische Kohlestromproduktion ersetzt wird. Außerdem bleibt völlig unklar, ob und wann die für dieses Szenario vorgesehene drastische Erhöhung der deutschen CO2-Zertifikatspreise umgesetzt werden könnte.

Konventionelle versus erneuerbare Stromproduktion

Abb. 3 zeigt die Ausbauziele der deutschen Bundesregierung bis 2050. Der Anteil der erneuerbaren Stromproduktion am gesamten deutschen Stromverbrauch betrug 2015 bereits 34%. Der Anteil soll weiter erhöht werden, und zwar

  • bis 2025 auf 40% bis 45%,
  • bis 2035 auf 55% bis 60%,
  • bis 2050 auf mindestens 80%.

Abb. 3 :  Ausbau der erneuerbaren Stromproduktion, 2015 bis 2050


Strombedingte CO2-Emissionen bis 2014 und Reduktionsziele bis 2050

Stromproduktion ohne und mit CO2-Begrenzung

Abb. 4 gibt einen Vergleich der erneuerbaren Stromproduktion mit der konventionellen Stromproduktion ohne und mit CO2-Begrenzung für den Zeitraum 2015 bis 2035.

Abb. 4 :  Stromproduktion, 2015 bis 2035


Strombedingte CO2-Emissionen bis 2014 und Reduktionsziele bis 2050
Ohne CO2-Begrenzung wird die konventionelle Stromproduktion von 424 TWh in 2015 auf 354 TWh in 2025 reduziert, bis 2035 auf 271 TWh. Mit CO2-Begrenzung wird die konventionelle Stromproduktion von 424 TWh in 2015 fast halbiert auf 248 TWh in 2025, bis 2035 weiter auf 199 TWh abgesenkt.

Die erneuerbare Stromproduktion soll sowohl ohne als auch mit CO2-Begrenzung stark erhöht werden, und zwar von 192 TWh in 2015 auf 286 TWh in 2025 und weiter auf 384 TWh in 2035.

Ohne CO2-Begrenzung steigt der Netto-Stromexport von 50 TWh in 2015 auf 71 TWh in 2025. Mit CO2-Begrenzung wird Deutschland in 2025 zum Netto-Stromimporteur mit 32 TWh. Die Differenz von gut 100 TWh entspricht in etwa der durch die CO2-Begrenzung bewirkten Reduzierung der konventionellen Stromproduktion in Deutschland.

Ergebnis:

  • 2015 war die konventionelle Stromproduktion gut doppelt so groß wie die erneuerbare Stromproduktion.
  • Von 2015 bis 2025 wird die konventionelle Stromproduktion deutlich sinken und mit CO2-Begrenzung schon etwas niedriger sein als die erneuerbare Stromproduktion, und bis 2035 nur noch halb so hoch sein.

Zusammenfassung

(1) Stromerzeugung


  • Die CO2-Reduktionsziele der Bundesregierung werden ohne CO2-Begrenzung bei Weitem nicht eingehalten.
  • Bis 2035 wird die konventionelle Stromproduktion weiter sinken und mit CO2-Begrenzung nur noch halb so hoch sein wie die erneuerbare Stromproduktion.
  • Die erneuerbare Stromproduktion soll laut diesen amtlichen Planungen sowohl ohne als auch mit CO2-Begrenzung stark erhöht werden, und zwar um 49% bis 2025 und um weitere 34% bis 2035.

(2) Installierte Kraftwerksleistung


  • 2015 waren erneuerbare und konventionelle installierte Kraftwerksleistung etwa gleich groß. 2035 wird die erneuerbare installierte Kraftwerksleistung mehr als doppelt so groß sein.
  • Durch die für 2016 anstehende erneute EEG-Reform und das ab 2017 auch für die Onshore-Windenergie verbindlich vorgeschriebene Ausschreibungsverfahren wird der Ausbau der erneuerbaren Energien verlangsamt werden.

(3) Netzausbau


  • Der überregionale Netzausbau ist wesentlich durch die Einspeisung von Kohlestrom zeitgleich zu hoher erneuerbarer Stromerzeugung verursacht. Durch den vorgeschlagenen weit überhöhten Netzausbau würden die Energiewende behindert sowie Umwelt und betroffene Anlieger unnötig belastet. Die deutschen Stromverbraucher müssten diesen überhöhten Netzausbau, der über 25  Mrd. € kosten würde, durch weitere Strompreiserhöhungen bezahlen.
  • Der regionale Netzausbau hingegen ist fast ausschließlich durch den massiven Ausbau der erneuerbaren Energien in einer Region verursacht. Wie viele neue Stromleitungen in einer Region zur Integration der erneuerbaren Energien benötigt werden, hängt wesentlich von den Möglichkeiten zur besseren Ausnutzung und Verstärkung bestehender Leitungen ab, was für jeden Einzelfall untersucht werden muss.

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