Internetkonzerne wie Google und Apple sparen Milliarden mit

Steuerschlupflöchern. Googles Aufsichtsratschef Schmidt nennt das
"Kapitalismus" - und prahlt in einem Interview mit den Geschäftspraktiken.
Vielleicht provoziert er damit die Gesetzgeber so sehr, dass sie etwas
unternehmen.

 

 
CeBIT 2012 Opening Ceremony

Google-Boss Eric Schmidt über die Steuertricks seines Unternehmens: "Ich bin
sehr stolz."

(Foto: Getty Images)

 

Es verstößt zwar nicht gegen das Gesetz, wenn große Technologiekonzerne wie
Google oder Apple Steuerschlupflöcher nutzen, um jedes Jahr Milliarden zu sparen. Ein Grund
zum Angeben ist derlei Geschäftsgebaren aber auch nicht unbedingt. Genau das
hat Eric Schmidt, der Chef des Google-Verwaltungsrats, aber nun getan: Er sei "sehr stolz" auf die
geschaffenen Strukturen, soll Schmidt in einem Interview gesagt haben, wie
die britische Zeitung The Independent berichtet.

 

Diese "Strukturen" ermöglichen Unternehmen wie Google, vergleichsweise wenig von ihren
Gewinnen an den Fiskus abführen zu müssen. Die Konzerne schieben das Geld
über so viele Staatsgrenzen, bis es kaum noch etwas zu versteuern gibt.
Beispielsweise von Deutschland nach Irland, wo Unternehmen deutlich weniger
Steuern zahlen müssen - und von dort vielleicht noch auf die Bahamas.
Hauptsache, die Gewinne bleiben außerhalb der USA, ihrer Heimat, denn dort
interessieren sich die Steuerbehörden nicht für Gewinne, die auf
ausländischen Konten liegen.

Diese Tricks nennen sich dann "Double Irish" oder "Dutch Sandwich". Bei
Googles früherem Vorstandschef Schmidt heißt das: "Kapitalismus". Solche
Modelle seien legal, sein Unternehmen zahle seine Steuern, wie es vom Gesetz
vorgeschrieben sei. Google sei nicht bereit, ähnlich wie Starbucks,
freiwillig mehr Steuern zu zahlen.

Laut Independent hat Google 2011 im Vereinigten Königreich 2,5 Milliarden
Pfund Umsatz gemacht, aber nur sechs Millionen Pfund Körperschaftssteuer
gezahlt. Zehn Milliarden Dollar soll das Unternehmen alleine auf den Bahamas
geparkt haben. Dadurch erzielte Steuerersparnis im vergangenen Jahr: etwa
zwei Milliarden Dollar.

 

Google ist kein Einzelfall

Apple hat im abgelaufenen Fiskaljahr 28,7 Milliarden Euro im Ausland verdient,

aber nur 556 Millionen Euro Einkommenssteuern außerhalb der USA gezahlt.

Das entspricht einem Satz von 1,9 Prozent - die meisten Kiosk-Betreiber in

Deutschland zahlen mehr. Die Äußerungen von Schmidt dürften amerikanische

Regierung und Politiker in Europa gleichermaßen motivieren, in ihrem Bestreben

Internetkonzernen wie Google mehr Steuern abzuzwacken.

Für die Vorsitzende des Haushaltsausschusses im britischen Unterhaus,
Margaret Hodge, gibt es keinen Grund für Schmidt, stolz auf die
Steuererklärung des Internetunternehmens zu sein. Er solle sich vielmehr
schämen. "Das ist arrogant, realitätsfremd - und eine Beleidigung seiner
Kunden im Vereinigten Köngireich", sagte Hodge.

"Normale Steuerzahler haben die Nase voll von erfolgreichen Unternehmen wie
Google, die keinen Trick ungenutzt lassen, um zu vermeiden, dass sie ihren
gerechten Beitrag zahlen."

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